Geografische Lage:
Der im Osten der Eylauer Seenplatte südlich des Eylingsees gelegene Ort wird von der Europastraße 77 Danzig – Warschau durchquert und hat außerdem Anschluss an die Bahnlinie Mohrungen – Osterode (Morąg – Ostróda). Mit dem Berting-, Röthloff- und Drewenzsee befinden sich weitere größere Seen in der Nähe, und der Oberländische Kanal verzweigt sich hier nach Norden Richtung Elbing (Elbląg) und nach Westen zum Geserichsee (Jeziorak). Hier endet auch das Flüsschen Liebe, das dem Ort seinen deutschen Namen Liebemühl gab. Östlich erstrecken sich ausgedehnte Waldgebiete, zu denen auch der unmittelbar an der Ortsgrenze beginnende früher so genannte Prinzwald. Die beiden nächst gelegen großen Städte Elbing (Elbląg) und Allenstein (Olsztyn) sind 65 bzw. 50 Kilometer entfernt.

Geschichte
Die Ritter des Deutschen Ordens nutzten vermutlich schon Ende des 13. Jahrhunderts die geschützte Halbinsel zwischen dem Fluss Liebe und dem Eylingsee zur Errichtung einer Wassermühle, die sie durch Befestigungen sicherten. Zur Förderung der Besiedlung des Sassen genannten Umlandes wurden im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts nahe der Mühle eine Ordensburg errichtet und eine Siedlung angelegt. Deren rasche Entwicklung veranlasste den Christburger Komtur Walter Kerskoff, dem zu dieser Zeit „Lyebemole“ genannten Ort 1334 nach Kulmer Recht das Stadtrecht zu verleihen. Die Stadt wurde mit einer wehrhaften Befestigung versehen, in die 1431 die Pfarrkirche mit einbezogen wurde. Während des Dreizehnjährigen Krieges (1454 – 1466, auch Städtekrieg genannt) zwischen dem sich gegen finanzielle Unterdrückung wehrenden Preußischen Bund und dem Orden verharrte die Burgbesatzung auf Seiten des Ordens, während die Stadtbewohner sich dem Bund anschlossen. Bei der letzten militärischen Auseinandersetzung des Ordens gegen Polen, im Reiterkrieg von 1519 – 1525, wurde Liebemühl während einer kurzzeitigen Besetzung durch polnische Truppen zerstört.
Nach der Säkularisierung des Ordensstaates und seiner Umwandlung in das Herzogtum Preußen im Jahre 1525 wurde die Stadt dem Oberländischen Kreis unterstellt und erhielt den Sitz eines Hauptamtes. 1567 überließ der preußische Herzog Albrecht das Schloss und die Einkünfte aus der Stadt für zwanzig Jahre den evangelischen Bischöfen von Pomesanien. In dieser Zeitspanne residierten die Bischöfe George Venediger und Wigand auf dem Liebemühler Schloss. Beide Bischöfe wurden in der Liebemühler Kirche beigesetzt. Im Oktober 1628 wurde Liebemühl durch schwedische Truppen, die während des 1. polnisch-schwedischen Krieges (1617 – 1629) durch das Land zogen, so stark zerstört, dass die Stadt über längere Zeit wüst lag.
Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts normalisierte sich das Leben wieder. Als im Zuge der preußischen Kreisreform von 1752 der Oberländische Kreis aufgeteilt wurde, kam Liebemühl in den Kreis Mohrungen, behielt aber den Sitz des Hauptamtes. 1782 hatte die Stadt 1100 Einwohner, die hauptsächlich von der Land- und Forstwirtschaft lebten. Nach einer erneuten Verwaltungsreform wurde Liebemühl 1815 dem Kreis Osterode zugeordnet. Am 1. November 1835 war die die Stadt durchquerende spätere Reichsstraße 130 von Elbing nach Osterode fertig gestellt. Mit dem Oberländischen Kanal erhielt Liebemühl ab 1860 An-schluss an einen weiteren wirtschaftlich wichtigen Verkehrsweg. Mit den Eisenbahnstrecken Elbing – Oste-rode (ab 1893) und Wormditt – Osterode (ab 1902) wurde das die Stadt berührende Verkehrswegnetz komplettiert. Dies veranlasste mehrere Industriebetriebe zur Ansiedlung, und so waren zur Jahrhundert-wende Schiffbaubetriebe, Ziegeleien und Holzverarbeitung ansässig. Innerhalb von 100 Jahren hatte sich die Einwohnerzahl verdoppelt, und betrug2234 im Jahr 1880. Davon waren 97 Prozent evangelischer Kon-fession.
Am 11. Juli 1920 entschieden sich die Einwohner Liebemühls mit überwiegender Mehrheit in der durch den Versailler Vertrag angeordneten Volksabstimmung für den Verbleib bei Ostpreußen. Dadurch rückte die Stadt an die Grenze zum Polnischen Korridor und verlor damit ihr westliches Hinterland. Durch den Zuzug ehemaliger Bewohner der an Polen verlorenen westpreußischen Gebiete erhöhte sich die Einwohnerzahl bis 1939 noch einmal auf 2.439. Von ihnen arbeiteten 1036 in der Industrie und im Handel, 446 waren in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt und in Handel und Verkehr waren 427 Einwohner tätig.
Im Januar 1945 wurde Liebemühl von der Roten Armee eingenommen. Während die Mehrheit der Einwoh-ner bereits geflohen waren, wurde die zurückgebliebenen Deutschen von der ab Herbst 1945 regierenden polnischen Verwaltung nach Deutschland ausgewiesen. Die Stadt erhielt den polnischen Namen Miłomłyn, verlor aber ihre Stadtrechte, die sie erst zum 1. Januar 1998 wiedererlangte.

Liebemühl vor 1945
Ortsteile: Baginsken (nach 1933: Bürgersee), Emilienthal, Eylingshö, Goldsberg, Karlshof, Liebrode, Leo-poldmühle, Ludwigsberg, Sonnenhof, Faltianken.
Größe: 1895: 1803,1 ha; 1925: 1818,5 ha.
Einwohner: 1848: 1529; 1895: 2230; 1925: 2159; 1939: 721 Haushalte mit 2434 Einwohnern, davon 446 in der Land- und Forstwirtschaft, 1036 in Industrie und Handwerk, 427 im Handel und im Verkehr.
Bürgermeister: Rothe 1800 – 1810, Dewitz 1824 – 1836, Johann Friedrich Sakolowski 1836 – 1876, Ferdi-nand Podzun 1876 – 1883, Gustav Krause 1884 – 1888, Bruno Grzywacz 1889 – 1896, Plogschties 1896 – 1902, Niekien 1902 – 1930, Anton Arno Wohlgemuth 1923 – 1930, Wilhelm Schwidder (kommissarisch) 1931 – 1934, Wilhelm Woldmann 1938 – 1945.
Söhne und Töchter der Stadt:
Fritz Mende (* 1843; † 1879), sozialdemokratischer Politiker
Literatur:
E. Hartmann, Geschichte der Stadt Liebemühl, Ostdeutsche Beiträge aus dem Göttinger Arbeitskreis, Band XXIX, Holzner-Verlag, Würzburg 1964
Kronika Miasta Miłomłyna 1800 -1922, Moja Bibloteka Mazurska, Dąbrówno 2005

Liebemühl heute
Liebemühl trägt heute den Namen Miłomłyn und ist eine Kleinstadt im Powiat Ostródzki (Landkreis Ostero-de) in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 13 Schulzenämter, 30 Ortschaften
Geographische Lage: 53° 45′ N, 19° 51′ O
Einwohner: 2.336 (31. Dez. 2008)
Fläche: Stadt 12,4 km², Landgemeinde 160,91 km²
Postleitzahl: 14-140
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NOS
Wirtschaft und Verkehr: E 77 Warschau–Danzig
Nächster int. Flughafen: Danzig
Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Stanisław Henryk Siwkowski
Adresse: ul. Twarda 12, 14-140 Miłomłyn
Webpräsenz: www.milomlyn.pl
Städtepartnerschaften
Seit August 2005 besteht eine Städtepartnerschaft mit der Stadt Klötze, Deutschland und seit 20. Oktober 2006 mit Bezdonys, Litauen.
Seit August 2005 besteht zwischen Miłomłyn und der Kreisgemeinschaft Osterode Ostpreußen e. V. eine Vereinbarung über eine partnerschaftliche Zusammenarbeit bei der Erhaltung des
Kulturgutes der Stadt Miłomłyn aus der Zeit vor 1945, die folgende Bereiche umfasst:
1. Erhaltung der Kulturgüter der Stadt Miłomłyn, die bis 1945 entstanden sind, und Vertiefung des histori-schen Wissens über die Stadt und die Gemeinde.
2. Einbeziehung der Kreisgemeinschaft Osterode Ostpreußen e. V. in die Arbeiten zur Sicherung, Erhal-tung und Wiederherstellung von Sehenswürdigkeiten, Gebäuden und Denkmälern im Gebiet  der Stadt und der Gemeinde unter Beachtung der deutschen Vergangenheit sowie bei der Pflege der deutschen Friedhöfe.
3. Verbreitung und Vertiefung des Wissens über die Tätigkeit von bedeutenden Persönlichkeiten, die in Miłomłyn, damals Liebemühl, vor 1945 gelebt haben.
4. Erforschung und Bewahrung historischer Ereignisse aus der Zeit vor 1945.
5. Unterstützung der Identität, der kulturellen Traditionen und der Lebensweise
der deutschen Minderheit sowie Hilfe im sozialen und humanitären Bereich.
6. Förderung des Erlernens und Gebrauchs der deutschen Sprache.
7. Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen und Kontakte zwischen den ehemaligen und den heu tigen Einwohnern der Stadt Miłomlyn, früher Liebemühl, insbesondere durch Einladungen zu Ver-anstaltungen und Unterstützung gegenseitiger Besuche, vor allem junger Menschen.
8. Förderung des Tourismus und der  Bereitschaft, bei bestehenden  Möglichkeiten auch wirtschaftliche Kontakte zu unterstützen.

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