Liebe Osteroder Ostpreußen,
liebe Nachkommen der Osteroder Ostpreußen,
liebe Freunde Ostpreußens

Sicherlich warten Sie schon auf eine klare Aussage darüber, ob wir angesichts der Corona-Pandemie unser Jahrestreffen wie geplant am 2. – 3. Oktober in Lüneburg durchführen können. An der Tatsache, dass ich mich so spät an Sie wende, können Sie erkennen, dass wir die feste Absicht hatten, das Jahrestreffen unbedingt stattfinden zu lassen. Alle Vorbereitungen waren abgeschlossen: Das Programm stand, die Räumlichkeiten waren angemietet, die Hotelzimmer für unsere Gäste aus Ostpreußen waren reserviert.

Doch nun mussten wir uns angesichts steigender Infektionszahlen nochmals gründlich mit Medizinern beraten, die auf dem Gebiet der Epidemiologie ausgewiesene Experten sind. Deren eindeutiges Votum lautete, dass unter den gegebenen Umständen die Durchführung des Jahrestreffens nicht verantwortbar wäre. Deshalb sage ich hiermit – schweren Herzens – unser Jahrestreffen 2020 ab.

Liebe Osteroder Ostpreußen, auch wenn diese Nachricht vielleicht nicht überraschend kommt, so ist sie doch traurig. Denn unsere Treffen sind für viele von Ihnen die einzige Möglichkeit, lieb gewonnene Menschen aus der Kindheit, Schicksalsgefährten, wiederzusehen und sich mit Ihnen zusammen an die gemeinsame Heimat zu erinnern. Aus diesem Grund sind gerade für diejenigen, die in ihrem persönlichen Umfeld niemanden mehr haben, mit dem sie sich erinnern können, unsere Treffen so wichtig.

Die Absage unseres Jahrestreffens tut mir auch so leid für unsere Gäste aus Ostpreußen, besonders für die zwei fünfzehnjährigen Mädchen aus Hohenstein, die wir mit unserer Einladung nach Lüneburg für ausgezeichnete Deutschkenntnisse belohnen wollten. Auch ist es schmerzlich, dass Sie, liebe Landsleute, nun nicht den Festvortrag von Henriette Piper über ihr wunderbares Buch, das sie über das Leben ihres Großvaters geschrieben hat („Der letzte Pfarrer von Königsberg“), hören werden. Doch Frau Piper hat uns – worüber ich mich sehr freue –  fest zugesagt, dass sie ihren Vortrag auf dem Jahrestreffen 2021 nachholen wird.

Natürlich stelle ich mir auch voller Sorge die Frage, was das Virus aus unserer Gemeinschaft machen wird. Wie wird es sich auswirken, wenn unsere Mitglieder im Jahr 2020 auf keinem einzigen Treffen zusammenkommen können? Werden die fehlenden Begegnungen dazu führen, dass wir uns fremd werden, dass dadurch die Kreisgemeinschaft ihren inneren Zusammenhalt verlieren und schließlich auseinanderbrechen wird?

Nein! Ganz sicher nicht! Wir haben schon viel überstanden. Wir werden auch das miteinander überstehen! Wir Ostpreußen lassen uns nicht von einem Virus unterkriegen. Denn wir sind aus ganz besonderem Schrot und Korn und das, was uns verbindet, ist mehr als irgendein verzichtbares Hobby. Es ist das gemeinsame Schicksal. Es ist – Ostpreußen!

Ich grüße Sie in heimatlicher Verbundenheit.

Ihr

Burghard Gieseler

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