Wieder ein voller Erfolg!

Während andere Heimattreffen einen stetigen Teilnehmerschwund zu verzeichnen haben, erfreut sich unser Regionaltreffen in Hamm nach wie vor großer Beliebtheit. Auch in diesem Jahr kamen am 26. Mai wieder ca. 100 Osteroder Ostpreußen nach Hamm, um dort einen gemeinsamen Tag zu verleben. Wohin man nur schaute, überall saßen die Ostpreußen aus Osterode, Hohenstein, Gilgenburg, Liebemühl und aus vielen anderen Orten unseres Heimatkreises zusammen, um Erinnerungen miteinander zu teilen und – in manchen Fällen – die nächste Fahrt in die Heimat zu planen.

Zu Beginn der Feierstunde begrüßte unser Kreisvertreter, Burghard Gieseler, alle Anwesenden und zeigte sich darüber erfreut, dass trotz des fortgeschrittenen Alters so viele Landsleute zu unserem Regionaltreffen gekommen seien. Besonders begrüßte Burghard Gieseler die Vertreterin der Stadt Hamm, Frau Sosna. „Wir kommen nun schon seit vielen Jahren nach Hamm und fühlen uns mit dieser schönen Stadt eng verbunden,“ sagte der Kreisvertreter.

Herzlich dankte Gieseler den Eheleuten Czichon für die – wie immer – perfekte Vorbereitung des Regionaltreffens. „Obwohl Waldemar Czichon in den letzten Monaten gegen eine schlimme Krankheit ankämpfen musste, hat er es sich nicht nehmen lassen, auch in diesem Jahr wieder unser Regionaltreffen zu organisieren. Dafür sind wir Dir, lieber Waldemar, sehr dankbar.“ Dieses vorbildliche Engagement wurde von den Teilnehmern mit lang anhaltendem Beifall gewürdigt.

An den Anfang der Feierstunde stellte der Kreisvertreter zwei Gedanken: „Seit dem Erscheinen der letzten Osteroder Zeitung habe ich mehrere Anrufe von Menschen bekommen, die als Kind – so im Alter von sechs oder sieben Jahren – ihre Heimat verlassen mussten. In den folgenden Jahrzehnten hätten sie keinen Bezug zu Ostpreußen gehabt, zumal auch ihre Eltern nicht von ihrer Heimat gesprochen hätten. Aber jetzt im Alter, so sagten sie mir, kämen die Bilder aus der Kindheit wieder hoch – und zwar ganz scharf. Diese Ostpreußen haben uns gesucht und gefunden. Sie sind glücklich darüber, dass sie nun zu einer Gemeinschaft gehören, in der sie ihre Erinnerungen mit anderen teilen können. Wir heißen sie herzlich willkommen.“

Die Anwesenheit von einigen jungen Leuten, die irgendwie von unserem Regionaltreffen erfahren hatten und aus eigener Initiative dazugekommen waren, veranlasste Gieseler zu folgendem Gedanken: „Während die Generation der Kinder (der Erlebnisgeneration) oftmals ein schwieriges Verhältnis zu der Heimat ihrer Eltern hatte, geht die Enkelgeneration sehr viel unbefangener mit diesem Thema um und  interessiert sich – wie der Boom in der Familienforschung zeigt – für ihre Herkunft. Dieses zunehmende Interesse führe ich auch auf die allgemeine und überall zu greifende Verunsicherung zurück, die die Globalisierung mit sich bringt. Viele (junge) Menschen suchen nach Halt und verspüren den Wunsch, ihre Wurzeln kennenzulernen.“

An die Begrüßung schloss sich die würdevolle Totenehrung an, zu der sich selbst die ältesten Anwesenden erhoben.

Nach dem sehr persönlich und herzlich gehaltenen Grußwort von Frau Sosna ging der Kreisvertreter in seiner Ansprache ausführlich auf die gegenwärtige Situation der Kreisgemeinschaft ein: „Im kommenden Jahr wird unsere Kreisgemeinschaft 70 Jahre bestehen. Es war schon seit längerem abzusehen, dass die immer kleiner werdende Zahl der alten Ostpreußen die KGO vor eine existentielle Krise stellen würde. Ich selbst bin vor drei Jahren aber nicht angetreten, um „das Licht auszumachen“, sondern um die Kreisgemeinschaft in die Zukunft zu führen und ihre wertvolle Arbeit eines Tages in die Hände einer jüngeren Generation zu legen. Allerdings müssen sich die Dinge manchmal ändern, damit sie weiter bestehen können.

Die Krise zeigte sich besonders bei unseren Hauptkreistreffen in Osterode am Harz. Im letzten Jahr waren trotz eines attraktiven Programms mit Arno Surminski kaum noch Teilnehmer gekommen. Es stellte sich also die Frage, ob wir das Hauptkreistreffen ganz aufgeben oder ob wir es an einen anderen Ort verlegen. Wir haben uns für Letzteres entschieden, weil es eine unserer Kernaufgaben ist, die Osteroder Ostpreußen zusammenzuführen und in der Öffentlichkeit in Erscheinung zu treten.“ Im folgenden erläuterte Gieseler nochmals eingehend die Gründe, die dazu geführt haben, das Hauptkreistreffen, das künftig ‚Jahrestreffen‘ heißen wird, nach Lüneburg zu verlegen. Ebenso eindrücklich schilderte Gieseler, wie sich die Krise auf die finanzielle Situation der KGO auswirkt und appellierte an jeden einzelnen, die Kreisgemeinschaft nach Kräften zu unterstützen.

Gieseler beendete seine Ansprache mit den Worten: „In der kommenden Woche fahre ich nach Ostpreußen. Ich nehme Ihre Erinnerungen und Gedanken mit.“

Die Feierstunde schloss nach alter guter Sitte mit dem Ostpreußenlied und der deutschen Nationalhymne.

Unmittelbar nach der Feierstunde verabschiedete sich die Vertreterin der Stadt Hamm, weil sie noch weitere Termine wahrzunehmen hatte. Beim Abschied spendete sie spontan der Kreisgemeinschaft 50 Euro. Burghard Gieseler bedankte sich für die großzügige Spende und fügte scherzend hinzu: „Wenn Sie bei jedem Grußwort, das Sie halten müssen, 50 Euro spenden, sind Sie bald pleite.“ Frau Sosna antwortete: „Das tue ich auch nicht. Aber diesmal mache ich eine Ausnahme. Ihre Feierstunde hat mich so berührt. Ihre Arbeit muss weitergehen!“

Nun stärkten sich die Teilnehmer mit einer kräftigen Gulaschsuppe und mit Kaffee und Kuchen. Als die Stimmung ihrem Höhepunkt zutrieb, nutzte Waldemar Czichon die Gelegenheit und bat mit dem Waldhut des Kreisvertreters um eine Spende für die Kreisgemeinschaft. Die Hutspende ergab sagenhafte 342,20 EUR. Allen Spendern sei an dieser Stelle herzlich gedankt!

Am Ende waren sich alle einig: Im nächsten Jahr kommen wir wieder zum Regionaltreffen nach Hamm. Es wird am 7. Juni 2020 stattfinden.                    

Der Vorstand

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